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02.04.2012

Voll beladen ans Ende der Welt

Von Kai Schwarten

Als in diesem Jahr der Startschuss für die Dakar-Rallye fiel, staunte die Fachwelt nicht schlecht: Da wurde der VW-Tross von einem VW Crafter 4Motion begleitet. Wie will der denn die schwierigen Geländestrecken bewältigen, war die meistgestellte Frage. Ganz einfach: Dieser Crafter hatte bereits mit der neuen 4Motion-Variante des österreichischen Allrad-Spezialisten Achleitner an Bord. So war er dank hochwertiger Allrad-Technik im Rahmen seiner physikalischen Gesetzmäßigkeiten so geländegängig wie ein waschechter Geländewagen.

Aber wer braucht schon einen derart geländegängigen Lieferwagen, der selbst bei 45 Grad Steigungen, Rampenwinkeln von 25 Grad, 60 Zentimeter Watttiefe oder Böschungswinkeln von maximal 28 Grad unbeeindruckt seine Runden dreht? Dazu Christian Wattenberg, Marketing-Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge: „ Besonders Versorger alternativer Energiekonzepte müssen verstärkt in Regionen vordringen, die nur selten über eine Infrastruktur verfügen. Aber auch das Baugewerbe sowie Rettungsdienste, THW, Feuerwehr und Polizei greifen immer öfter auf allradbetriebene Fahrzeuge zurück.”

Damit sie alle dann auch ihre Ziele erreichen, kommt das 19.950 Euro teure Achleitner-Allradsystem mit Geländeuntersetzung (1:2,5) zum Einsatz. Es definiert sich über eine permanente, gleichmäßige (50:50) Kraftverteilung an beide Achsen mit serienmäßiger Differenzialsperre im Verteilergetriebe und an der Hinterachse.

Optional lässt sich auch eine Sperre für die Vorderachse ordern. So gerüstet, ist es erst die Physik, die diesem Crafter Grenzen setzt. Denn wenn alle Sperren aktiviert sind, kann ein Rad bis zu 100 Prozent des Antriebsmomentes übertragen. Ein Ausgleich der unterschiedlichen Momente im Antriebsstrang findet nicht mehr statt. Schlupf entsteht nur noch an der schwächsten Stelle: zwischen Reifenprofil und Untergrund.

Bei dieser Vorstellung lässt sich dann auch erahnen, dass bereits erste Wohnmobilisten ihr Interesse angemeldet haben, die mit solch einer Basis unter ihrem Aufbau gern mal die eine oder andere Wüste erobern würden.

Umfangreich sind die Veränderungen, die an der einzelradaufgehängten Vorder- und starren Hinterachse vorgenommen hat. Verstärkte Federn mit mehr Weg, härtere Stoßdämpfer mit progressiver Kennung und geänderte Stabilisatoren sind nur der offensichtliche Teil der Modifizierungen. Genau wie die zehn Zentimeter mehr Bodenfreiheit als beim Serienfahrzeug.

Aber noch offensichtlicher wird’s in der Praxis und einem Blick aus dem Seitenfenster: Da staunt nicht nur der Laie, wenn sich ein Lieferwagen namens Crafter durch gegenläufige Schlaglöcher von Hüfttiefe arbeitet. Und auch bei nahezu 45 Grad Seitenneigung noch sicher auf dem löchrigen Untergrund liegt. Wie wär’s zum Abschluss noch einmal mit einer Bergauffahrt aus dem Stand auf einer Schotterpiste? Auch kein Problem: Der Crafter zieht an, als ob er frisch bestückt mit Ware vom Hof einer Spedition fährt.

Als Motorisierung steht dem Crafter 4Motion mit Achleitner-Allrad ausschließlich das leistungsstärkste und durchzugskräftigste Aggregat des Crafter mit 163 PS zur Verfügung. Der auch aus dem Amarok und Transporter bekannte 2.0-Liter-Biturbo entwickelt schon bei 1.800 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von stattlichen 400 Newtonmetern. Genug Kraft, um im Bedarfsfall per Knopfdruck im untersetzten ersten Gang im schwersten Gelände mit voller Beladung – egal ob als 3,5- oder 5,0-Tonner – anzufahren und weiterzukommen.